Regelmäßig untersucht Bitkom den KI-Einsatz in der deutschen Wirtschaft – und 2025 ist die Schlagzeile eine Zahl: 36 % der deutschen Unternehmen nutzen KI, fast doppelt so viele wie ein Jahr zuvor (20 %). Das klingt nach Aufbruchsstimmung. Bei näherer Betrachtung zeigt sich ein differenzierteres Bild – und für viele Mittelständler eine klare Handlungsaufforderung.
Was 36 % wirklich bedeutet
Die Bitkom-Studie „Künstliche Intelligenz 2025" zählt zur KI-Nutzung jedes Unternehmen, das mindestens ein KI-Tool einsetzt – unabhängig davon, ob es ChatGPT für gelegentliche E-Mail-Drafts nutzt oder KI tief in Geschäftsprozesse integriert hat.
Hinweis zur Quelle: Die Zahl stammt aus einer repräsentativen Befragung von 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, erhoben im Sommer 2025 und veröffentlicht am 15. September 2025.
Diese breite Definition macht die Zahl wichtig als Trendindikator, aber weniger aussagekräftig für den strategischen Rückstand: Hinter der Nutzungsquote verbirgt sich, dass die Mehrheit der KI-Nutzer noch im experimentellen Stadium steckt – eine systematische Verankerung in Strategie und Prozessen ist bislang die Ausnahme.
Die Unternehmensgrößen-Kluft
Ein durchgängiges Muster in den Bitkom-Erhebungen: Die KI-Nutzung steigt deutlich mit der Unternehmensgröße. Große Unternehmen setzen KI merklich häufiger und systematischer ein als kleine. Für den klassischen deutschen Mittelstand liegt die Nutzungsquote damit tendenziell unter dem Gesamtdurchschnitt von 36 %. Das ist keine Überraschung, aber es verdeutlicht: Der Durchschnittswert wird stark durch große Unternehmen getrieben. (Die Bitkom-Befragung erfasst Unternehmen ab 20 Beschäftigten.)
Welche KI-Anwendungen dominieren
Unter den KI-nutzenden Unternehmen liegen die Schwerpunkte laut Bitkom klar im Kundenkontakt (88 %) sowie in Marketing und Kommunikation (57 %). Typische Anwendungsfälle sind:
- Textgenerierung – Marketingtexte, E-Mails, Berichte
- Informationsrecherche – Zusammenfassungen, Recherche-Assistenten
- Bild- und Mediengenerierung
- Automatisierte Kundenantworten
- Datenanalyse und Prognosen
Auffällig: Die verbreitetsten Anwendungen sind niedrigschwellig und erfordern wenig technische Integration. Echte Prozessautomatisierung – KI als Teil des Betriebsablaufs, nicht als gelegentliches Hilfsmittel – ist noch die Ausnahme.
Was KMU jetzt tun sollten
Für Mittelständler, die noch keinen systematischen KI-Einsatz haben, ist die Frage nicht mehr „ob", sondern „wie". Drei konkrete Schritte:
1. Inventar erstellen: Welche KI-Tools werden im Unternehmen bereits informell genutzt? Oft nutzen Mitarbeitende ChatGPT, Copilot oder Bildgeneratoren ohne Wissen der Unternehmensleitung – sogenannte Schatten-KI. Das Inventar bildet die Basis für eine strukturierte Strategie.
2. Einen Prozess als Pilot wählen: Nicht der größte oder wichtigste Prozess, sondern der, bei dem Aufwand und Nutzen am klarsten messbar sind. Kundenanfragen-Bearbeitung, Angebotserstellung oder interne Dokumentensuche sind gute Kandidaten.
3. Ergebnisse messen: Wer KI einsetzt und keinen Nutzen misst, kann ihn auch nicht kommunizieren – weder intern noch gegenüber Fördergebern oder Kunden. Einfache KPIs (Bearbeitungszeit, Fehlerrate, Mitarbeiterzufriedenheit) reichen aus.
Der Wettbewerbskontext
Eine Perspektive, die oft fehlt: KI-Adoption ist kein internes Optimierungsprojekt – sie ist ein Wettbewerbsfaktor. Wenn ein Wettbewerber Angebote dreimal schneller erstellt, Kundenanfragen in der Hälfte der Zeit bearbeitet und weniger Fehler in der Buchhaltung hat, ist das ein struktureller Vorteil.
Die 36 %-Zahl zeigt: Die Welle kommt. Die Frage ist nur, ob man auf ihr reitet oder von ihr überholt wird.
ScaleWise unterstützt KMU in Bayern beim Einstieg in die strukturierte KI-Nutzung – von der Bestandsaufnahme bis zur DSGVO-konformen Implementierung. BAFA-gefördert, persönlich in Niederbayern und Mittelfranken.