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KI-Strategie 3 Min. Lesezeit

KI und der Arbeitsmarkt: Was die aktuellen Studien für den deutschen Mittelstand bedeuten

Nick Wolf · 22. April 2025

Keine Frage polarisiert in Gesprächen mit Unternehmern mehr als diese: Vernichtet KI Arbeitsplätze – oder schafft sie neue? Die Antwort der Forschung ist differenzierter, als beide Lager suggerieren. Und für KMU im deutschen Mittelstand zeigt sich ein spezifisches Bild, das strategische Konsequenzen hat.

Was die Studien sagen

McKinsey Global Institute (2025): In einer aktualisierten Analyse schätzt McKinsey, dass bis zu 30 % der heute ausgeführten Arbeitsstunden in Deutschland durch KI automatisierbar sind – aber nicht bis 2030 vollständig, sondern schrittweise über die kommenden 10–15 Jahre. Der entscheidende Unterschied zur früheren Robotisierungs-Welle: Diesmal betrifft es primär Wissensarbeit, nicht Handwerk.

IW-Köln (2025): Das Institut der deutschen Wirtschaft sieht eine klare Verschiebung: Tätigkeiten, die repetitive Datenverarbeitung, Standardkorrespondenz oder regelbasierte Analysen umfassen, werden seltener gebraucht. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Mitarbeitenden, die KI-Ergebnisse einordnen, prüfen und kontextualisieren können.

IFO-Institut München (2025): Für Bayern zeigt eine Regionalstudie, dass vor allem Unternehmen mit 20–200 Mitarbeitenden im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor signifikante Effizienzpotenziale durch KI haben – gleichzeitig aber am wenigsten auf den Wandel vorbereitet sind.

Die betroffenen Tätigkeiten

Besonders häufig in Studien genannte Bereiche mit hohem Automatisierungspotenzial:

  • Buchhaltung und Controlling: Belegerfassung, Kategorisierung, Standardberichte
  • Kundenkommunikation: Standardanfragen, Beschwerdeerstaufnahme, FAQ-Antworten
  • Marketing und Textproduktion: Produktbeschreibungen, E-Mails, Social-Media-Posts
  • Datenaufbereitung: Listenbereinigung, Formatkonvertierung, Datenbankpflege
  • HR-Administration: Bewerbungsvorauswahl, Onboarding-Dokumente, Schulungsplanung

Das bedeutet nicht, dass diese Stellen wegfallen – sondern dass Mitarbeitende in diesen Bereichen mehr leisten können, wenn sie KI-Tools kompetent einsetzen. Oder seltener gebraucht werden, wenn Unternehmen nicht investieren.

Was Mittelständler konkret beobachten

In Gesprächen mit Unternehmern aus Bayern zeigen sich zwei Muster:

Muster 1: Effizienzgewinn ohne Stellenabbau. Ein Steuerberatungsbüro aus Deggendorf berichtet, dass drei Mitarbeitende mit KI-Unterstützung nun das Volumen von früher vier bis fünf schaffen – ohne Entlassungen. Der Mehrwert fließt in Kapazität für komplexere Mandate.

Muster 2: Qualifikationslücke wächst. Ein Produktionsbetrieb aus Vilshofen setzt KI-gestützte Qualitätskontrolle ein – stellt aber fest, dass nur zwei von zwölf Mitarbeitenden die Ausgaben sinnvoll interpretieren können. Die anderen neun vertrauen der KI blind oder ignorieren sie.

Beide Muster zeigen: Die entscheidende Variable ist nicht die KI-Technologie – sondern die Qualifikation der Belegschaft.

Die strategische Antwort für KMU

Es gibt drei Stoßrichtungen, die Unternehmen jetzt verfolgen sollten:

1. Tätigkeitsanalyse: Welche Aufgaben in meinem Unternehmen sind repetitiv, regelbasiert, volumengetrieben? Dort ist das Automatisierungspotenzial am höchsten – und dort sollte KI zuerst eingesetzt werden.

2. Qualifizierung: Art. 4 der EU KI-Verordnung schreibt KI-Kompetenzschulungen ohnehin vor. Wer das als strategische Investition versteht und nicht nur als Pflichtübung, positioniert die eigene Belegschaft für den Wandel.

3. Frühzeitige Einbindung: Unternehmen, die Mitarbeitende früh in KI-Projekte einbinden – statt KI von oben zu verordnen – berichten von deutlich höherer Akzeptanz und besserem Ergebnis.

Der Blick auf die nächsten drei Jahre

Die Studien sind sich einig: 2025–2028 ist die Übergangsphase, in der Unternehmen die Weichen stellen. Wer KI-Tools jetzt pilotiert, Mitarbeitende qualifiziert und Prozesse anpasst, hat in drei Jahren einen messbaren Vorsprung. Wer abwartet, wird den Anschluss schwerer finden – nicht weil die Technologie dann zu komplex ist, sondern weil die Konkurrenz schon weiter ist.


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